Kooperationsvereinbarung für mehr Inklusion

Mit guter Zusammenarbeit mehr erreichen

Das LWV Hessen Integrationsamt und die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit erneuern ihre Kooperationsvereinbarung für mehr Inklusion in Hessen. Der 25-jährige Dennis Steinbrecher hat davon profitiert und einen Job gefunden.

„Werde ich je wieder Arbeit finden?“, das fragte sich Dennis Steinbrecher lange Zeit. Selbstzweifel plagten den 25-Jährigen. Sorge um die Zukunft. Und dann kam das Glück: Eine Stelle als Verkäufer beim Rewe-Markt in Hofgeismar. „Endlich kann ich mich auch beruflich engagieren“, freut sich der junge Mann. Das sei fast wie ein neues Leben.

Dieses neue Leben ist das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit zwischen dem LWV Hessen Integrationsamt und der Agentur für Arbeit. Im Zuge einer Kooperationsvereinbarung, die die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter im Juli erstmalig mit der Bundesagentur für Arbeit abgeschlossen hat, wurde auch in Hessen der Wille zu guter Zusammenarbeit erneuert und bekräftigt.

Dennis Steinbrecher ist seit August im Rewe-Markt angestellt. Nach einer fünfmonatigen innerbetrieblichen Qualifizierungsmaßnahme, (Unterstützte Beschäftigung), war sein Chef Sven Schäfer sicher: „Der schafft das und der passt auch gut zu uns.“ Zunächst läuft der Vertrag für zwei Jahre, aber: „gut möglich, dass es danach weitergeht, Herr Steinbrecher entwickelt sich wirklich prima.“

Die Qualifizierungsmaßnahme hat Dennis Steinbrecher bei der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) durchlaufen, Auftraggeber war die Agentur für Arbeit Kassel. Diese gewährt dem Arbeitgeber außerdem einen Eingliederungszuschuss.
Das Integrationsamt finanzierte eine Einstellungsprämie nach dem Hessischen Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen (HePAS II). Das Programm wurde schon zum zweiten Mal mit dem Hessischen Ministerium  für Soziales und Integration aufgelegt und wird aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert. 

Unterstützung, die sich auszahlt

Zunächst hatte Dennis Steinbrecher Sorge, die Kasse nicht zu beherrschen, doch auch diese Hürde ist genommen: „ Ich habe eine fünfzigprozentige Lernbehinderung“, erzählt der junge Mann, „rechnen zählt da nicht unbedingt zu meinen Stärken.“ Umso mehr freut er sich, dass das Hantieren mit den Zahlen wirklich gut klappt. Früher wollte er in der Landwirtschaft arbeiten, das war sein Traumberuf. Zunächst war er im Landschaftsbau beschäftigt, erkrankte dann aber schwer. Nach seiner Genesung unternahm er einen neuen Versuch; er ergatterte einen Job in der Landwirtschaft, drei Jahre lief das gut, dann erkrankte er wieder, noch schwerer. „Zwei Magendurchbrüche hatte ich und das innerhalb von 5 Jahren“, erzählt er. Seitdem darf er nicht mehr schwer heben und das schränkt den Spielraum für die Berufswahl ein.

Mit den neuen Kollegen bei Rewe kommt er sehr gut zurecht und auch die Kunden mögen ihn, plaudern mit ihm. „Herr Steinbrecher ist jemand, der sich gut artikulieren kann, das gefällt den Kunden. Immerhin ist Hofgeismar eine Kleinstadt, guter Kundenkontakt ist wichtig“, erläutert sein Chef, Sven Schäfer.

Steckbrief

Kooperationsvereinbarung

Im Juli 2017 schloss die Bundesagentur für Arbeit erstmalig eine Koopera­tionsvereinbarung mit der Bundesarbeitsge­meinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH).
Ziel: Die berufliche Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Sinne der Konvention der Vereinten Nationen voranzubringen.

Diese Vereinbarung haben das hessische Integrationsamt und die Regionaldirektion Hessen zum Anlass genommen, die Zusammen­arbeit noch stärker zu forcieren.
Felder der Zusammenarbeit sind

  • die Phase der beruflichen Orientierung von schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern
  • Förderung der Berufsausbildung
  • Unterstützte Beschäftigungen zur innerbetrieblichen Qualifizierung und anschließenden Arbeitsaufnahme
  • Einstellungsanreize durch Eingliederungs­zuschüsse und Prämien aus dem Programm HePAS für Arbeitgeber, die schwerbehinderte Menschen beschäftigen.

Bildergalerie

Dennis Steinbrecher (r.) mit seinem Chef Sven Schäfer bei der Arbeit im Rewe-Markt (Fotos: Uwe Zucchi)
Dennis Steinbrecher (r.) mit seinem Chef Sven Schäfer bei der Arbeit im Rewe-Markt (Fotos: Uwe Zucchi)Bild vergrößern
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Genau hinsehen lohnt sich

Der Eigentümer des Rewe-Supermarkts hat schon in der Vergangenheit mit behinderten Menschen zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht. Er verfügt deshalb über einen differenzierten Blick: „Ob ein Mensch mit einer Behinderung zu einem Unternehmen passt, ob die Zusammenarbeit funktioniert, hängt von der individuellen Person ab“. Menschen seien unterschiedlich, ebenso Behinderungen. „Man muss den Einzelfall betrachten“, sagt er. Seine Erfahrung habe ihm gezeigt, dass es prima laufen kann.
„Viele Unternehmen wissen das aber nicht und probieren es deshalb auch nicht aus“, stellt er fest. Schade sei das, denn für die behinderten Menschen sei es besonders wichtig, in einem „richtigen“ Unternehmen zu arbeiten: „Sie erhalten endlich Wertschätzung, so ganz normal, wie dies für uns alle wichtig ist.“  

Ansprechpartner HePAS

LWV Hessen Integrationsamt
Kölnische Straße 30
34117 Kassel
Telefon 0561 1004 - 0
Fax 0561 1004 - 2650

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