Mitarbeiter des Integrationsamtes

Auf Achse für die Inklusion

Alle 53 Inklusionsbetriebe in Hessen werden von vier Mitarbeitern des LWV Hessen Integrationsamtes im vierten Jahresquartal besucht. Mit den Geschäftsführern wird Bilanz gezogen – als Teil der betriebswirtschaftlichen Begleitung und Beratung, mit denen das Integrationsamt die Inklusionsbetriebe unterstützt.

Zwischen Ende September und Anfang Dezember "bin ich auf Tournee", sagt Kathrin Kressel. Für die Mitarbeiterin des Integrationsamtes bedeutet das: pro Arbeitstag in der Regel drei Inklusionsbetriebe abklappern, mit meist längeren Fahrten dazwischen. Manchmal begleitet sie auch ihr Chef Ralf Geßner. Gerade fährt ihr Dienstwagen in die Zufahrt zum Gelände der Orangerie Aukamm in Wiesbaden. Vor dem denkmalgeschützten Gebäude wartet schon die Führungsriege der Gemeinnützigen Schulungs-, Service und Dienstleistungsgesellschaft mbH (DBS gGmbH). 43 Menschen beschäftigt die DBS, 28 davon sind schwerbehindert.  

Daten vom Integrationsamt

Im Moment des Händeschüttelns fährt auch Manuela Kisker vor. Die Betriebswirtin ist Mitarbeiterin der Beratungsfirma FAF (Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte gGmbH). Im Auftrag des LWV begleiten Kisker und eine Kollegin die hessischen Inklusionsbetriebe über das Jahr hinweg. Die Beraterinnen erhalten die auszuwertenden Daten über das Integrationsamt, erstellen Lageberichte, nehmen an Projekttreffen teil, führen sogenannte "Meilensteingespräche". Der Betriebsbesuch gegen Jahresende ist ein wichtiger Termin. Geht es doch um die Jahresabschlüsse, die die Entscheidungsgrundlage für die Zusage weiterer Förderungen durch den LWV sein können.

Die Orangerie Aukamm ist eine tolle Örtlichkeit für Veranstaltungen – aber genau in diesem Punkt ging der Businessplan nicht ganz so auf wie gedacht. Ursprünglich sah das Konzept "eine vielseitige kulturelle Nutzung vor", erklärt Geschäftsführer Dr. Simeon Ries. Später stellte sich heraus, dass Nutzungsbeschränkungen zu beachten sind. Wegen der beengten Zufahrt, fehlender Parkplätze, zur Vermeidung von zu viel Autoverkehr und Lärm im naturnahen Aukammtal.

Steckbrief

Inklusionsbetriebe

Als Inklusionsbetriebe werden seit dem 1. Januar 2018 die vormaligen Integrations­projekte bezeichnet. Sie sind selbstständige Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes und müssen sich unter Marktbedingungen behaupten.
Im Unterschied zu anderen Unternehmen ist das primäre Ziel, Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen mit besonderen Vermittlungs­hemmnissen zu schaffen. In Inklusionsbetrieben sind sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt und können sich für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifizieren. Deshalb fördert der LWV Hessen solche Betriebe.

Liste der hessischen Inklusionsbetriebe

Bildergalerie

Jahresgespräch der DBS gGmbH in der Orangerie Aukamm in Wiesbaden (Fotos: Rolf K. Wegst)
Jahresgespräch der DBS gGmbH in der Orangerie Aukamm in Wiesbaden (Fotos: Rolf K. Wegst)Bild vergrößern
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Kathrin Kressel (LWV), Ralf Geßner (LWV) und Manuela Kisker (FAF) (v. l.) bei der DBS gGmbH in Wiesbaden.
Kathrin Kressel (LWV), Ralf Geßner (LWV) und Manuela Kisker (FAF) (v. l.) bei der DBS gGmbH in Wiesbaden.Bild vergrößern
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Ralph Hergt und Helga Elsner-Büttner (beide DBS)
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Dr. S. Ries, R. Hergt, M. Kisker, R. Blinn, K. Kressel, M. Reimann, H. Elsner-Büttner, R. Geßner (v.l.)
Dr. S. Ries, R. Hergt, M. Kisker, R. Blinn, K. Kressel, M. Reimann, H. Elsner-Büttner, R. Geßner (v.l.)Bild vergrößern
Im Gewächshaus: DBS-Geschäftsführer Dr. Ries, Kathrin Kressel, Manuela Kisker, Michael Reimann, Ralf Geßner (v.l.)
Im Gewächshaus: DBS-Geschäftsführer Dr. Ries, Kathrin Kressel, Manuela Kisker, Michael Reimann, Ralf Geßner (v.l.)Bild vergrößern
Bei der JOB gGmbH (v. l.): Ralf Geßner, Kathrin Kressel (LWV), Manuela Kisker (FAF), Geschäftsführerin Beatrix Giesecke
Bei der JOB gGmbH (v. l.): Ralf Geßner, Kathrin Kressel (LWV), Manuela Kisker (FAF), Geschäftsführerin Beatrix Giesecke Bild vergrößern
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"Der Laden läuft"

Heute, beim Jahresgespräch, zieht Betriebsberaterin Manuela Kisker eine positive Bilanz: "Die DBS hat sich nach schwierigen Zeiten berappelt. Sie ist ein sehr profitables Unternehmen." Im Verlauf des zweistündigen Gesprächs mit allen Beteiligten wird klar: Das inklusive Café in der Orangerie, das die DBS in der warmen Jahreszeit mit Beschäftigten der Werkstatt der Behindertenhilfe Wiesbaden-Rheingau-Taunus betreibt, hat im Probejahr einen Gewinn erwirtschaftet. Im abgespeckten Umfang kann der ansprechende Veranstaltungsort für private Feiern genutzt werden. Der Bereich der Bürodienstleistungen ist betriebswirtschaftlich gut aufgestellt. Und auch das Garten-Team hat feste Aufträge von der Stadt Wiesbaden und zusätzliche private Auftraggeber.

Dass "der Laden läuft", freut Dr. Ries, der die Geschäftsführung des Inklusionsbetriebes vor zwei Jahren übernommen hat. Aber er will auch neue Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen schaffen und verrät: "Wir planen in 2018 im Bereich Gewächshaus einen kompletten Neustart." Mitarbeiter sollen eingestellt, Bio-Gemüse angebaut werden.

Budget für Arbeit

Eine wichtige Information gibt Ralf Geßner kurz vorm Aufbruch mit dem Stichwort "Budget für Arbeit". "Das ist ein neues, sehr auskömmliches Förderprogramm, auch für Inklusionsbetriebe." Geschäftsführer Dr. Ries horcht auf und fragt nach – aber der nächste Termin drängt und man wird sich bald erneut treffen.

Knapp 20 Minuten später stehen die LWV-Mitarbeiter und die Betriebswirtin vor dem dritten Inklusionsbetrieb an diesem Tag: der Gemeinnützigen JOB GmbH in Wiesbaden mit 34 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Beschäftigte, bei 65 Angestellten insgesamt. In eineinhalb Stunden werden die Betriebsbereiche Kindergarten- und Schul-Catering, Gebäudereinigung, Handwerkerdienstleistungen sowie der CAP-Frischemarkt durchgesprochen – laut Kisker "soweit alles im Plan".

Auf der Heimfahrt stecken Geßner und Kressel eine Stunde im Feierabend-Stau. Erst gegen 20 Uhr, nach einem 13-Stunden-Arbeitstag, sind sie zurück in der Hauptverwaltung in Kassel: ein langer Tag auf Achse für die Inklusion.

Beratung und Förderung

Im Jahr 2007 beschloss der LWV-Verwaltungsausschuss, die Beratung und Begleitung von Inklusionsbetrieben durch das Integrationsamt neu auszurichten. Seitdem gehen Mitarbeiter zum Jahres­gespräch mit in die Betriebe. Geprüft wird unter anderem, ob die Fördermittel bestimmungsgemäß und wirtschaftlich verwendet und der geplante Beschäftigungs­anteil behinderter Menschen eingehalten wurden.
Die LWV-Mitarbeiter reden den Geschäftsführern der rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen nicht in ihre Betriebsführung hinein. Aber sie bzw. die beauftragte Beratungsfirma bieten Hilfe bei Entschei­dungen über neue Investitionen, bei Erweiterungs- oder Verlagerungsplänen oder wenn sich eine betriebs­wirtschaftliche Krisensituation abzeichnet.

Weitere Informationen im Faltblatt Nr. 11 - Förderung von Inklusionsbetrieben