Ein ganz normaler Professor

Ein ganz normaler Professor

Die Vorlesungen und Seminare von Prof. Thomas Noetzel sind anspruchsvoll und unterhaltsam. Da er seit seiner Geburt unter Muskelschwund leidet, helfen dem Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg drei Assistenten, seinen Alltag zu bewältigen. 

Bei den Studierenden im Hörsaal der Marburger Uni ist Thomas Noetzel wegen seiner spannenden Vorlesungen besonders beliebt. Die schwere Behinderung des Politikwissenschaftlers rückt dabei ganz in den Hintergrund, obwohl er nur Kopf und Hände bewegen kann. Fast 24 Stunden helfen ihm Assistenten wie Iuza Murghulia zu Hause, unterwegs und an der Uni. Der Student aus Georgien sitzt in der Vorlesung neben ihm, angelt die Unterlagen aus der Tasche, stellt das Mikrophon ein, rückt Noetzels Arm zurecht und bedient den Computer. Das Integrationsamt finanziert diese Assistenz am Arbeitsplatz und Prof. Noetzel entlohnt seine drei Helfer je nach Bedarf auf Honorarbasis. 

Karrieresprungbrett Marburg 

Nach Marburg verschlug es ihn, weil das dortige Studentenwohnheim für Rollifahrer geeignet war. Thomas Noetzel studierte emsig. Bei seiner Karriere habe er das Glück gehabt, auf Menschen zu treffen, die ihn förderten. Er stieg relativ schnell zum wissenschaftlichen Mitarbeiter, Assistenten, Hochschuldozenten und schließlich zum Professor auf. 

Ich komme immer zu zweit

Wer Prof. Noetzel in seinem Büro in der Philosophischen Fakultät besucht, trifft ihn nie allein. Ob Sprechstunde, Arbeitsgespräche oder Kolloquien - einer der drei Assistenten ist immer dabei.